Monatsarchiv: August 2017

Ibug 2o17 SPEMAFA

Wie ich gestern schon berichtet habe ist die Ibug dieses Jahr in Chemnitz. Als ich mit 15 nach Meerane gezogen bin wurde ich erstmals aufmerksam auf das Projekt. Seitdem besuche ich seit vielen Jahren dieses Festival und wurde nie enttäuscht 🙂

Gestern fand ein Vortrag und eine Podiumsdiskussion statt, die wirklich sehr intressant war und beispielsweise Sanierungs- im Vergleich zu Abrisskosten, sowie Nutzungsmöglichkeiten für Lost Places aufzeigte. Sehr toll, nur dass vermutlich wenig Eigentümer von Brachen geschweigedenn zuständige Verwaltungsbeamte anwesend waren um sich dies zu Herzen zu nehmen. Nichtsdestotrotz sehr aufschlussreich. Es wurde gefilmt, also wenn Interesse besteht, es sollte sich sicherlich im World Wide Web finden lassen 😉

Jedes Jahr ist es immer wieder überraschend und anders, man freut sich Bilder von Künstlern zu sehen, deren Werke man Jahre zuvor schon mal gesehen hat und ihren Stil erkennt. Ein kleines familiäres Gefühl das sich unweigerlich einschleicht. Schön, einfach schön.

Zum Samstag Nachmittag ist das Gelände ziemlich voll. Jetzt ein Bild zu machen ohne dass jemand ins Bild läuft gestaltet sich schon mehr als schwierig.  Für alle die Menschengedrängel und Photo-Bomber nicht mögen ist kurz nach Eröffnung und abends wohl die beste Lösung. Achtung hier aber: spätester Einlass ist zwar 19 Uhr, allerdings wird ab 19.30 Uhr das Gebäude von den Ordnern geräumt. Wer Bilder machen will sollte also nicht erst 19 Uhr kommen, da man die Menge der Bilder selbst ohne Kamera kaum in einer halben Stunde bestaunen kann.

Wie auch die letzten Jahre gibt es einen kleinen Markt auf dem man Werke der Künstler käuflich erwerben kann, es reicht von Postkarten für 1€ bis hin zu großen Bildern auf Leinwand im dreistelligen Bereich. Es ist also für jeden etwas dabei. Und das ist auch ein großer Pluspunkt der Ibug, das Publikum ist bunt gemischt. Zwar überwiegt der Anteil an Leuten, die eins zu eins vom Prenzlauer Berg weggefangen worden sein könnten, aber es finden sich auch viele normale, Kunstintressierte, Familien und Rentner.

am folgenden Wochenende habt ihr die Chance euch die Ibug nochmal anzuschauen. Wer es also an diesem nicht geschafft hat: geht hin, nutzt die Chance, es wird euch auf keinen Fall enttäuschen 😉

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Vorspiel: Ibug 2o17 – SPEMAFA

Wuuuuuuuuuuhu Ibug 😀

mein allerliebstes Lieblings-Event des Jahres und diesmal bin ich dank Festivalticket alle 3 Tage vertreten. Start dementsprechend gestern und ich muss sagen Freitag Nachmittag/Abend ist wirklich absolut tiefenentspannt. Man kann ungestört Bilder machen ohne dass alle 2 Sekunden jemand ins Bild läuft. Schönes Wetter, tolles Gelände und wie schon die Jahre zuvor überragende künstlerische Werke.

Da ich wie gesagt alle Tage vertreten sein werde habe ich noch keine Zeit gehabt die Bilder zu sichten und habe vermutlich auch noch nicht alles erwischt was unbedingt gezeigt werden sollte (beispielsweise fehlt mir noch der komplette Brühl). Um euch trotzdem nicht gänzlich zu enttäuschen ein paar kleine Einblicke vorweg und später dann die geballte Ladung 😉

Ich kann jedem, egal ob jung oder alt, nur empfehlen sich das mal anzuschauen. Möglichkeit dazu habt ihr dieses Wochenende und am darauf folgenden. Mehr Infos gibts auf der Ibug Seite

und zum Schluss etwas bei dem ich durchaus schmunzeln musste und es mir bei den Begehungen gewünscht habe (13/25 Punkte)

DSC_0041

Camera
NIKON D5000
Focal Length
18mm
Aperture
f/4.5
Exposure
1/80s
ISO
400

Begehungen Chemnitz – Institut Potemkin

Prepare to be underwhelmed!

Es ist mal wieder soweit, wie schon letztes Jahr veranstalten die „Begehungen“ ein Kunst- und Kulturfestival in Chemnitz. Das Potemkin im alten Kulturpalast in Rabenstein. Diesen habe ich bereits mehrfach im „Normalzustand“ besucht und habe mich verliebt, daher wollte ich mir die Chance nicht entgehen lassen ihn in Kombination mit Kunst ein letztes Mal anzuschauen bevor die Bagger anrücken. Impressionen davon könnt ihr euch hier anschauen: Ballast der Republik und Kulturpalast.

Zugegeben, ich habe die Begehungen letztes Jahr zum ersten Mal besucht und war gelinde gesagt entsetzt (Poelzig Areal – TA Lärm). In Anbetracht der massiven Werbemaßnahmen, des großartigen Geländes und der vielversprechenden Artikel hatte ich gehofft, dass es dieses Jahr weniger fragwürdig wird.

Die wundervolle Treppe wurde mit Lichtelementen an der Decke und kleinen verkehrt herum hängenden Metallweihnachtsbäumchen (?) beleuchtet. Der Moment in dem noch Hoffnung in mir keimte, denn das sah schon echt gut aus. Die wurde gnadenlos zerstört, als uns die erste Installation (wenn man es denn so nennen will) direkt nach der Treppe in einem Raum erwartete. Plexiglasscheibe und: genau, 3 Wischroboter, was sonst. o_O Zweifelgeschwängerte Erinnerungen vom letzten Mal mit den Schinken grillenden Robotern drängten sich in mein Gedächtnis. Puh…. Eigentlich konnte es sich ab dem Moment nur noch steigern. Zugegeben, es war nicht ganz so unklar wie letztes Jahr aber auch hier und heute stellte sich erneut die Frage: ist das schon/noch Kunst?

DSC_0643

Der winzige Raum nebenan projezierte einen Film an die Decke. Soweit so unspektakülar. Spannender wurde es schon nebenan im Saal. Die (Zwischen)Decke wurde an vielen Seiten aufgerissen und die Kabelkanäle heraus gezerrt und wild umher gehangen. Das machte durchaus Eindruck und wurde auch direkt als Kunstwerk erkannt. Ganz gut gemacht – bis zu dem Punkt als wir die Beschreibung dazu gelesen haben. Gut, oft fragt man sich tatsächlich „was möchte uns der Künstler damit sagen?“ aber Freunde der Sonne, mal ehrlich, nicht alles was man macht muss man begründen, manchmal reicht es auch einfach, dass es schön aussieht, aber so einen Blödsinn dazu zu dichten… (Tipp der Redaktion: erst anschauen, dann grübeln/brainstormen und dann die Auflösung lesen 😀 überragend!)

Weiter gings im großen Saal, der als solches eigentlich immer sehr imposant wirkte. Dort fanden sich einige Bilder und gesprayte Werke, die gut gemacht waren, jedoch etwas in der Größe des Raumes untergingen. Wie gesagt, etwas schade, denn hier hatte sich (zumindest zum Teil) wirklich jemand Mühe gegeben.

Weiter im Text… Im ersten Geschoss blieb nur 1 weiterer Raum, der sich in kleine Kammern absplittet. Im Zentrum ein Fahrradrahmen mit einem Reifen, angeschlossen an einen Ofen. Laut Text vor der Tür sollte wohl ein Licht flackern, wenn man den Reifen dreht und der Ofen symbolisch für einen Fernseher stehen. Bitte was? Genau… In den kleinen Kammern fanden sich jeweils Röhrenfernseher die Filme abspielten. Das kannte ich von den Toiletten letztes Jahr schon, begreif den Sinn trotzdem bis heute nicht wirklich. Vielleicht ist mein Horizont aber auch zu eingeschränkt. Ansonsten gab es von den oberen Geschossen leider nicht viel zu sehen, lediglich die Zugänge zu dem Steg über dem Fernsehstudio waren begehbar, alles andere wurde versperrt. An der ein oder anderen Ecke fanden sich wieder Kunstwerke, unter anderem der Beweis, das Tänzerinnen auch bloß Puten sind und eine kleine Fledermaus, die so sicher nicht beabsichtigt war aber unwillkürlich meine Blicke auf sich zog 🙂

Draussen fanden sich Erwerbsmöglichkeiten für Speis und Trank, sowie eine Bastelecke. Ich persönlich war gespannt auf das Gewächshaus, da ich dies bei meinen bisherigen Besuchen sehr lieb gewonnen hatte und wurde bitter enttäuscht. Recht zugewuchert ganz unauffällig am Ende eines Sperrbandes versteckt und lediglich mit einigen Lautsprechern verziert, die einen gregorianischen Chorgesang spielten. Langsam aber sicher bereitete ich mich seelisch und moralisch auf einen Muskelkater meiner Augenbrauen am morgigen Tag vor.

Aber nun zum Fernsehstudio, dem absoluten Highlight des Kulturpalastes. Zufällig kamen wir zu einer, beziehungsweise DER „Performance“ schlechthin. Angepriesen als „The body and the salt -10 Kilogramm Salz und ein Körper. Die peruanischen Künstler*innen Monica Vergara und Italo Panfichi erforschen das Thema des Festivals mit Tanz. Zwischen Schein und Sein, zwischen dem Vielleicht und dem Wahren.“ präsentierte sich in dem Moment als wir herein kamen als eine Frau, die in der Mitte eines salzverkrümelten Kreises Mittagsschlaf zu machen schien (Entschuldigung vorweg für das Wackeln, Madame hatte natürlich kein Stativ dabei und auf gute Beleuchtung gehofft). Skepsis. Es erinnert im Laufe des Auftritts an den Versuch von Breakdance oder einen Anfall. Gelegentlich mengen sich gymnastische Bewegungen darunter aber alles in allem bleibt die Skepsis und eine Mischung aus „was zur…?“ und „paaaaahahahaha :D“. Am Rande des Salzkreises hockt eine Frau, die in einer wahrhaft bemerkenswerten Langsamkeit ein Seil auseinander zu dröseln scheint. Wirklich glänzen kann nur die goldene Folie, die am Gerüst angebracht wurde. Fragezeichen über Fragezeichen. Zweifel, nicht nur an ihnen und ihrem Zustand, sondern auch an mir ob mein Verständnis für Kunst wirklich so engstirnig und verkappt ist.

Ich schreib vielleicht einfach nich viel mehr dazu, eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen nicht wieder so kritisch über die Begehungen zu schreiben, da man sich als Chemnitzer und Urbexer ja freuen sollte, wenn überhaupt derartige Veranstaltungen stattfinden, aber sie machen es einem wirklich wirklich schwer…

Traurig ist auch, dass die vorher typischen kleiderhakenähnlichen Metallteile (ich hab immernoch absolut keine Ahnung was es darstellt, aber es war sehr ansehnlich und beeindruckend, ihr seht es ganz unten nochmal) nicht mehr an der Decke des Studios hingen. Sie wurden abmontiert, vermutlich aus Sicherheitsgründen, und dienen jetzt zur Absperrung von verbotenen Wegen und Türen und als Dekorationselement.

Im unteren Geschoss finden sich ansonsten weitere Installationen, die zwar zum Teil auch ganz gut gemacht sind, jedoch trotzdem weit von meinem Verständnis von Kunst oder Kultur abweichen. Ein Saunaofen, wieder Fernsehfilmchen, Kameras die Füße der Besucher filmen, … und ein Raum an dessen Wand in Erstklässlerschreibschrift in schwarzen Umrandungen weltklasse Pseudobuchtitel wie „Traumbenkirschen“stehen. Der Helfer/Mitarbeiter der im Raum steht bemerkt offenbar meine fragenden Blicke und mein Unverständnis und beginnt ein Gespräch. Da er ein Astra in der Hand hält hat er direkt Sympathiepunkte und ich lasse mich auf die sarkastische Philosophierunde ein. Sinn macht es für mich auch nachdem trotzdem nicht, aber ich bin beruhigt, dass das nicht nur mir so geht, sondern auch Menschen, die es eigentlich verstehen sollten, vielen Dank dafür unbekannter Erklärbar 🙂 Entgegen aller Erwartungen der letzten 2 Stunden verließ ich weniger mit einem Kopfschütteln, sondern mehr mit einem Lächeln das Gelände.

Kunst ist ein weiter Begriff und offenbar ist Kunst für jeden auch irgendwie etwas anders und bedeutet einem unterschiedlich viel, löst Emotionen aus und bedarf einem gewissen Einfühlungsvermögen. Dinge die anderen die Welt bedeuten und voller Herzblut stecken lösen bei anderen absolutes Unverständnis hervor. So war es bei mir heute und ich bin mir sicher, dass es mehr als genug Menschen gibt die auch meine Welt, das Urbexen, die Fotografie, die Kunstwerke die ich euch vorenthalte, die aber tatsächlich existieren, meine Liebe zum Morbiden und Seltsamen nicht verstehen. Es ist alles eine Frage des Blickwinkels 😉 Für mich war das Potemkin leider nichts außer einem witzigen Ausflug und kleinem Gedankenanstoß aber man kann es sich definitiv mal angeschaut haben.

Jeder ist anders, liebt und lebt anders, sieht die Welt mit seinen Augen und das ist auch gut so.

 

Wirklich loben muss ich an letzter Stelle trotz aller vorangegangener Kritik die unvergleichliche Behindertenfreundlichkeit. Das ist wirklich selten und sicherlich großartig für einen körperlich eingeschränkten Menschen auch ein solches Gebäude mal von innen sehen zu können. Viele Rollstuhlfahrer haben dieses Angebot auch am heutigen Nachmittag genutzt. Wundervolle Sache, meinen größten Respekt und Dank dafür, dass ihnen das ermöglicht wird.

CameraNIKON D5000
Focal Length
18mm
Aperture
f/4
Exposure
1/0s
ISO
800
Camera
NIKON D5000
Focal Length
18mm
Aperture
f/4
Exposure
1/60s
ISO
800
Camera
NIKON D5000
Focal Length
18mm
Aperture
f/4
Exposure
1/60s
ISO
800
Camera
NIKON D5000
Focal Length
18mm
Aperture
f/4
Exposure
1/60s
ISO
800Der winzige Raum nebenan projezierte einen Film an die Decke. Soweit so unspektakülar. Spannender wurde es schon nebenan im Saal. Die (Zwischen)Decke wurde an vielen Seiten aufgerissen und die Kabelkanäle heraus gezerrt und wild umher gehangen. Das machte durchaus Eindruck und wurde auch direkt als Kunstwerk erkannt. Ganz gut gemacht bis zu dem Punkt als wir die Beschreibung dazu gelesen haben. Also Freunde der Sonne, mal ehrlich, nicht alles was man macht muss man begründen, manchmal reicht es auch einfach, dass es geil aussieht, aber so einen Blödsinn dazu zu dichten… (Tipp der Redaktion: erst anschauen, dann grübeln/brainstormen und dann die Auflösung lesen 😀 überragend und überraschender als jede Game of Thrones Fo