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Bahngelände Chemnitz

Dieses Objekt habe ich ebenfalls vor einiger Zeit besucht. Da die darauffolgende Woche jedoch irgendwelche Kiddies auf dem Gelände waren und einer von ihnen durch das Dach gebrochen ist, hatte ich es vorerst verworfen und erst jetzt wieder gefunden. Das Bahngelände ist schwer erreichbar und wirklich gut abgesichert gewesen im Vergleich zu vielen anderen Objekten. Nichtsdestotrotz fanden sich Löcher im Zaun, die, wie sich im späteren Verlauf zeigte, von Obdachlosen geschaffen wurden. Jedoch war der Herr zu betrunken, um sich uns zu widmen. Vielleicht ist er es auch mittlerweile gewohnt, dass immer mal jemand rumstromert.

Die Haupthalle ist beeindruckend. Riesengroß, unheimlich lang und zugewuchtert mit Bäumen. Im Sommer ist der Anblick sicherlich noch schöner. In der Mitte steht ein kleines rotes Häuschen. Selbst von da oben kann man die Weite der Halle kaum überblicken.

Mittlerweile ist ein Großteil des Areals einer gigantischen Solaranlage gewichen. Es ist nur eine Frage der Zeit bis alles der Abrissbirne zum Opfer gefallen ist. Wenn das nicht mittlerweile sogar passiert ist… Neben der Haupthalle existiert auch einige Meter entfernt ein zweites Gebäude. Jedoch war dies weniger spektakulär, auch wenn es hier mehr zu entdecken gab. Darunter der Schlafplatz des netten schwankenden Herren vom Anfang. Sollte man ihn also nicht bereits vorn antreffen, ist hier ruhig vorzugehen. Keine Sorge, ihr wisst wann ihr im richtigen Raum seid, ohne ihn zu sehen. Der Geruch ist… umwerfend.

Ausserdem finden sich hier einige alte Spinde mit einer herzallerliebste Sammlung von Aufklebern. Ich muss schon sagen, die KKH hatte es früher echt raus was Marketing angeht 😀 So überzeugend… und ich denke der Spruch würde sich auf Zigarettenschachteln deutlich besser machen als die, die sich sonst so finden.

in dem Sinne, euch allen ein schönes Wochenende 🙂 Und nicht vergessen:

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Camera
NIKON D5000
Focal Length
32mm
Aperture
f/9.5
Exposure
1/350s
ISO
200
Camera
NIKON D5000
Focal Length
32mm
Aperture
f/9.5
Exposure
1/350s
ISO
200
Camera
NIKON D5000
Focal Length
32mm
Aperture
f/9.5
Exposure
1/350s
ISO
200
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spätabendlicher Cache-Quickie

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die Textima Nadelfabrik hatte ich bereits vor einiger Zeit besucht und war der Meinung eigentlich alles gesehen zu haben was es da so zu sehen gibt. Heute schickte mir allerdings ein Freund ein Bild von einem „geheimen“Raum mit allerlei ansehnlichem Schnick Schnack der sich im Gebäude befinden soll. Nach einigem Ranzoomen auf die Dokumente auf dem Schreibtisch wurde mir klar, dass es sich um einen Cache handelt, offenbar das Final. Der Raum wäre über einen Schaltkasten im obersten Geschoss zu finden. Einmal angefuchst trafen wir uns instant, damit er mir den Raum zeigt. Schlagartig wurde mir klar warum ich den Raum bei den letzten Malen nie gesehen hatte. Über den Schaltkasten ist eine recht nette Beschreibung. Man muss nicht nur AUF den Schaltkasten steigen, sondern auf dem schmalen, hängenden Ding irgendwie meistern auf die Bodenplatte des Raumes, etwa 1,60m von dem obersten Punkt des Schaltkastens entfernt, zu gelangen. Trotz kleinem Loch in der Wand wo man einen seiner Füße ranstemmen kann, kam ich mit meinen krüppeligen 1,59m nicht über den breitbeinig-zwischen-die-Wände-geklemmt-hängen-Punkt hinaus. Zwar konnte ich den Boden mit meinen Händen erreichen aber in keinem Universum den Rest meines Körpers hinauf befördern. Mit viel Glück und einem ordentlichen Rumms! ließ ich mich zurück auf den Schaltkasten fallen, der entgegen meiner Erwartungen dies aushielt. Dumm gelaufen. Mein Kumpane fand oben jedoch eine zweite Möglichkeit über ein kleines Loch und den Dachspitz zu krabbeln. Also gesagt getan. Ein wackeliger, teils kaputter schmaler Holzsteg führt bei angenehmen gefühlten 40° C über reichlich Dämmmaterial und Löcher zu jenem besagten Raum. Das sind Aktionen von denen man seinen Eltern wohl besser nie erzählen sollte… Nach einigen beschwerlichen Metern in gebückter Haltung (Pluspunkt für Zwerge wie mich bei einer Deckenhöhe von vielleicht 1,10m) erreichen wir den Raum. Liebevoll dekoriert mit allerlei DDR Gedöns. Ein Schreibtisch mit Computer, Stuhl mit darüber hängendem Sakko, Regal mit Ordnern, Büchern, Eierbechern und Krimskrams. Das hat eindeutig Stil. Großen Respekt an den Organisator. Er hat sogar extra auf dickem Papier kleine A5 große Urkunden. Ich bin entzückt 🙂

 

die Idee und die Umsetzung sind herzallerliebst und mal was anderes.Ein wirklich schöner Bonus, wenn man sowieso mal in der Textima rumschleicht. Leider war es mir nicht möglich mehr oder bessere Bilder zu machen, da es mittlerweile schon dämmerte und das Licht da oben nur spärlich ist. Apropos Licht, auffällig sind die 3 kleinen Fenster. Ihr findet die ungefähre Lage des Raums also definitiv raus, wenn ihr euch das Objekt von außen anschaut ;).

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Camera
NIKON D5000
Focal Length
18mm
Aperture
f/8
Exposure
1/250s
ISO
200

 

 


Die verlassene Anstaltskirche

Die Anstaltskirche der Tötungsanstalt Pirna gehört wohl zu den bekannteren Urbex Locations in Deutschland. Ich für meinen Teil habe sie zumindest schon sehr oft auf Blogs und Webseiten entdeckt (seltsamerweise meistens ohne Bilder von der direkt angrenzenden Anstalt). Grund hierfür ist nicht nur die Tatsache dass es eine leerstehende Kirche ist, sondern auch, dass man ohne Probleme reinkommt. Man muss nicht mal eine Lücke im Zaun finden, denn es gibt schlichtweg keinen.

Als ich und mein Kollege um die Kirche schleichen fällt uns direkt die offene Tür ins Auge. Beim ersten Schritt hinein treffen wir gleich auf ein älteres Paar um die 70, die ebenfalls Fotos machen und uns nett grüßen. Das fällt dann wohl in die Kategorie ungewöhnliche Begegnungen, jedoch im positiven Sinne.

Die Kirche ist ziemlich klein. Jegliches Mobiliar wurde offenbar direkt nach der Schließung fachmännisch ausgebaut, jedoch kann man noch gut erkennen wo der Altar und die Orgel standen (hierbei konnt ich mir den Gedanken, dass ohne Bänke und Gedöns Kirchen gar nicht so typisch nach Kirche riechen nicht verkneifen). Die wunderschön gewölbte Decke hat einige viele Löcher, die an große Einschusslöcher erinnern. Entgegen meiner bisherigen Vermutungen hat die Kirche keine blauen Fenster, sondern blaue Folie über dem Glas zum Schutz. Ebenfalls fällt auf, dass es keinerlei Sprühereien gibt. Das ist gerade für ein so offenes Objekt mehr als ungewöhnlich. Ich hätte zwar bei einem solch „heiligen Ort“ erwartet, dass sich der Vandalismus in Grenzen hält, aber mit so viel Anstand und Respekt hatte ich tatsächlich nicht gerechnet. Der einzige Müll ist eine Spongebob Süßgetränkdose oben bei der Orgel.

Über eine Treppe an der Seite kommt man sowohl auf die Empore der Orgel, jedoch auch in den Glockenturm. Der Weg dahin ist mit Taubenkot, Federn und Knochen gepflastert. Der Geruch ist dementsprechend…. Jedoch kann man von der Treppe aus in die Innereien und den Aufbau des Gewölbes schauen. Im Turm bekommt man einen tollen Blick über das Gelände. Um ganz hoch zu kommen, müsste man jedoch eine Art Feuerleiter hochsteigen, die stark vom Rost gekennzeichnet ist, daher entschieden wir uns dagegen. Das ärgert mich noch heute, ich hätte zu gern das kleine Rundfenster im Turm und die ehemalige Glockenkonstruktion begutachtet. Aber Sicherheit geht vor.

So verabschieden wir uns nach insgesamt knapp 4 Stunden von dem geschichtsträchtigen Gelände. Ich kann jedem empfehlen, sich auch das Museum, welches in dem Haus errichtet wurde, in dem früher die Patienten vergast wurden, anzusehen. Die Ausstellung soll sehr gut sein. 😉

 

 

 


die alte Videothek

 

Anfang des Jahres brachte mich Herr Spaceboy zu einem Objekt das ich kenne seit ich klein bin, an dem ich so oft vorbei fahre und nie gedacht hätte, dass man bei der Lage offene Türen vorfindet. 3 aneinander gereihte Mehrfamilien-Altbau-Häuser, wovon eines eine Videothek als Mieter hatte. Früher zumindest. Nun findet man ausser einigen Filmplakaten nichts mehr davon.

Aufgrund der doch sehr guten Lage hatte ich wie erwähnt weder mit offenen Türen noch mit erwähnenswerten Entdeckungen gerechnet, jedoch entpuppten sich die Gebäude als wirklich schön, gerade das Tredppenhaus. Typisch Altbau mit Kachelöfen, Doppelflügeltüren und höchst stylischer Tapete. Als ich noch klein war, war zumindest die Videothek noch aktiv, dass Mitte Ende der 90er tatsächlich noch Leute so gewohnt haben scheint aus heutiger Sicht unvorstellbar. Ich hatte von Anfang an ein flaues Gefühl im Magen. Wäre ich Penner, würde ich mich definitiv, wenn es geht, im Nobel- statt im verpöhnten Asi-Viertel niederlassen. Das Gefühl war intensiv, jedoch erkundeten wir ungestört die ersten beiden Eingänge. So schlicht ein Altbau nur sein kann, wie viele restliche Gebäude der Zeit und des Viertels. Wunderschön.

Highlight ist trotz allem eindeutig das letzte Haus an der Ecke mit der Videothek. Das Treppenhaus ist imposant, die Tapete unübertroffen. Im zweiten Stockwerk ist bereits zu riechen, dass wir hier nicht die ersten gewesen sind, die auf den Gedanken gekommen sind hier rein zu gehen. Es riecht bestialisch nach menschlichem Schweiß und Fäkalien und nimmt einem die Luft zum Atmen. Das ungute Gefühl kehrt wieder und soll sich wenige Sekunden später bewahrheiten. Schritte, Rumpeln. Das sind die Momente in denen ich mich für mein Hobby hasse. Ich hatte bereits mehrfach unschöne Begegnungen und versuche sie zu vermeiden wo es nur geht. Vermutlich haben wir den Obdachlosen geweckt, denn die Geräusche kommen aus der selben Wohnung in der wir uns gerade befinden. Verzweifelte Blicke, taktische Handzeichen, Luft anhalten und dann so schnell wie möglich das Treppenhaus hinunter und raus.

 

Die Häuser wurden ausgebaut und sind zum Teil schon vermietet 🙂


Textima Nadelfabrik

Nachtrag, endlich mal. Wenn man jede Woche irgendwo hinfährt isses gar nich so einfach alles immer zu bearbeiten hochzuladen und einen Text zu schreiben.

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Hier also der restliche Beitrag zu „über den Dächern von Chemnitz“ – der Besuch der Textima. Diese gehört zu den bekanntesten Lost Places in Chemnitz und ist dementsprechend zerstört. Mehr dazu bereits in eben genanntem Beitrag. Das Gebäude ist größer als erwartet und man sollte definitiv einige Stunden einplanen, um alles zu sehen. Wir beginnen im Keller der teilweise sehr dunkel, zum Teil aber auch gut beleuchtet ist. Waschräume, Lagerräume, … alles gigantisch und sehr weitläufig. Im ersten Geschoss riesige Räume mit intakten Glasschiebetrennwänden und ein Kohleraum. Komplett schwarz mit Trichtern und Löchern. Zudem ein Pentagramm-Graffiti mit ’92 drunter gespüht. Bitter…. ich bin Baujahr 91. Dafür dass die Textima so lang verlassen und so bekannt ist hat sie sich aber ziemlich gut gehalten. Sowohl Interieur als auch Bausubstanz. Der erste Stock hat jedoch noch etwas zu bieten: eine Trennwand. Definitiv später hinzugekommen. Wir trauen uns dahinter und finden ein Sofa, mitten im Raum. Davor ein Fernseher und eine Tastatur. Einmal mehr stellt sich die Frage: „Waaaarum?“. Ohne Strom erscheint es recht sinnlos. Wenigstens wurde vorsichtshalber ein augenfreundlicher Mindestabstand eingehalten 😀

DSC_0141 Seltsam. Besser nicht genauer drüber nachdenken wer sowas warum und wie nutzt. Damit ab ins Treppenhaus und hoch in die anderen Stockwerke.

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Trotz Straße ist es verhältnismäßig ruhig. Ein Vorteil der Baustelle. Keine Bahn, kaum Autos, damit kaum Leute, die einen sehen könnten. Man ann sich auch unbedenklich recht nah ans Fenster trauen. Das allerdings nur wenn wirklich nicht viel draussen los ist. Offenichtlich hat uns keiner gesehen, sonst wären wir von Polizei oder Anwohnern unterbrochen worden oder der Herr im Haus gegenüber hätte sich netterweise mal was angezogen 😀 Die Textima konnte mit schöneren Anblicken punkten.

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DSC_0202Die oberen Stockwerke sind verschieden und bieten alle ein kleines Highlight. Besonders kann aber wie schon erwähnt das Dach punkten. Über eine kleine Treppe kommt man zu einem Aufzugsmotor. In dem kleinen Stübchen befindet sich dann auch die Tür nach draußen. Man sollte sich nicht zu weit raus wagen, auch wenn dort Fußabdrücke und einige Flaschen zu sehen waren. Vorsicht ist besser was sowas angeht. Der Ausblick ist uuunheimlich schön. Das schwarze Dach ist angenehm warm, Gewitterwolken die langsam aufziehen, Freundschaft, Bierchen und Seifenblasen … einfach wunderschön. ❤

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Villa im Dornröschenschlaf

eine kleine Villa. Einsam, verloren und umgeben mit Efeu.

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Gefunden habe ich sie wie so vieles beim durchforsten von google Earth. Nach einem kleinen Fußmarsch haben wir sie auch schon gefunden. Friedlich und wunderschön steht sie da. Wir sind beide sofort angetan. Leider befinden sich in direkter Nachbarschaft nicht nur teure ausgebaute Villen, sondern auch pseudo-moderne Betonklötzer, die gerade hochgezogen werden und damit verbunden eine Horde von Bauarbeitern, die uns beobachten und kritisch beäugen.  Selbst ohne Bauarbeiter wäre es nicht möglich ins Innere zu gelangen, gegen Aussenaufnahmen wird aber wohl niemand etwas sagen. Deshalb betreten wir das Gelände. Eine Abzäunung existiert nicht (mehr).

Obwohl wir es nur von aussen betrachten können und die hippe moderne Nachbarschaft so gar nicht ins Gesamtbild passt fasziniert einen dieses Kleinod. Die Villa ist verhältnismäßig klein stahlt aber einen unheimlichen Charme aus. Was soll man sagen, seht selbst ❤

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PS: wenn mir jemand ein Haus schenken möchte, ich hätte gerne das 😀

 


über den Dächern von Chemnitz

kurzer Einschub bevor ich die Einblicke von gestern und das erste kleine und das zweite große Objekt von heute vorstelle.

Die Textima gehört wohl definitiv zu den Lost-Place-Huren, jeder war anscheinend schonmal drin und hat Bilder gemacht. Ich bislang nicht weil ich immer dachte es wäre kompliziert reinzukommen und etwas heikel mit den Autos, den Fußgängern und vor allem den ausländischen Autohändlern. Es war entgegen aller Erwartungen mehr als einfach. Das sieht man leider auch. Bevor dazu aber ein ganzer Schwall an Bildern kommt, Impressionen von dem wundervollen Dach. Mein Kommilitone Maurice ist mehr als waghalsig, normalerweise bringt er mich Vernunftsmensch damit zur Weisglut aber heute war es wirklich super. Alleine wäre ich wohl nie die kleine Metallleiter zum Aufzugsmotor hinaufgekraxelt, geschweigedenn hätte ich mich aus der Tür hinaus auf das marode Dach getraut. Ich kann auch immernoch nicht ganz glauben, dass ich das wirklich gemacht habe. Aber es war zumindest vorn stabil und der Ausblick, die Wolken, der Nieselregen…. unbezahlbar.

Manchmal ist es gut etwas zu wagen und seine eigenen Grenzen zu überschreiten.

In dem Sinne, euch einen schönen Abend 🙂